Was verbindet das Grab des Polizeiwachtmeisters Rudolf Rogge auf BüllsPort und die Gedenkstätte der Rehobother Baster bei Sam Khubis? Beide erinnern an Ereignisse im Jahr 1915. Der Erste Weltkrieg forderte auch in der damaligen Kolonie Deutsch Südwestafrika seine Opfer…
Am 22. April 1915 ist Polizeiwachtmeister Rudolf Rogge gestorben. Sagt der weiße Grabstein, der nahe dem Campingplatz im privaten Naturreservat von BüllsPort Lodge & Farm zu finden ist.
Der geschichtskundige Ethnologe Dr. Kuno Budack weiß es besser. In seinem Buch „Krieg und Frieden im Basterland“ korrigiert er nicht nur das Datum des Todes. Er erzählt auch, wie es dazu kam.
Kommandos der Baster ziehen ab dem 19. April durch das Basterland und töten deutsche Farmer und Polizisten. Rudolf Rogge ist das erste Opfer.
Südafrikaner auf dem Vormarsch
Doch warum? Hintergrund ist der Erste Weltkrieg. Die Südafrikanische Union steht an der Seite Großbritanniens. Sie hat Interesse an der benachbarten Kolonie Deutsch-Südwestafrika.
Mit insgesamt 60.000 Soldaten rückt sie von Lüderitz und Walvis Bay aus vor. Die deutsche Schutztruppe kann dem Vormarsch mit ihren etwa 4.000 Mann kaum etwas entgegensetzen.
Die Baster sind aufgrund ihres ‚Schutz- und Freundschaftsvertrages‘ verpflichtet, den Deutschen bei Konflikten mit Dritten beizustehen. Doch nun lassen sie sich zusichern, dass die so genannte Bastard-Kompanie nicht an der Front, sondern nur hinter den Linien eingesetzt wird.
Nach der Landung der Südafrikaner in Walvis Bay nehmen die Baster Kontakt mit ihnen auf. Dabei geht es ihnen darum, für die Zeit nach dem absehbaren Sieg der Südafrikaner ihre Sonderrechte zu wahren.
Ihr Konflikt mit den Deutschen spitzt sich zu, als sie südafrikanische Soldaten bewachen müssen, die in einem Vorgefecht gefangengenommen wurden. Die Südafrikaner drohen ihren Bewachern mit Vergeltung. In der Nacht vom 17. auf den 18. April verlassen die Baster-Soldaten ihre Posten und das Lager.
Gefecht bei Sam Khubis

Gedenkstätte von Sam Khubis, hier am 8. Mai 2015 beim 100-jährigen Gedenken an das Gefecht der Baster gegen die deutsche Schutztruppe am 8. Mai 1915. Foto: Sven-Eric Stender
Außerdem überfallen sie deutsche Farmen und Polizeistationen. Daraufhin startet die Schutztruppe eine Strafaktion. Am 8. Mai 1915 kommt es bei Sam Khubis rund 80 km südwestlich von Rehoboth zu einem heftigen Gefecht. Dort haben sich Hunderte Kämpfer der Baster verschanzt.
Nach stundenlangem Widerstand müssen die Baster ihre Stellungen räumen. Zu ihrer Verfolgung bleibt den deutschen Verbänden jedoch keine Zeit. Denn südafrikanische Truppen rücken bereits auf Windhoek vor.
Um nicht vom Kern der Schutztruppe abgeschnitten zu werden, müssen sie so schnell wie möglich nach Norden marschieren. Zwei Monate später, am 9. Juli 1915, kapituliert die Schutztruppe bei Khorab nördlich von Otavi.
Die Rehobother Baster versammeln sich jedes Jahr am 8. Mai bei Sam Khubis zum Gedenken an das Gefecht und die Gefallenen. Es liegt etwa 80 km von Rehoboth an der Straße nach Klein Aub. Ein großes Tor in Schwarz, Rot und Weiß, den Nationalfarben der Baster, markiert die Zufahrt.
Während an Polizeiwachtmeister Rudolf Rogge nur ein unscheinbares Grab erinnert. Mitten im privaten Naturreservat von BüllsPort Lodge & Farm, nahe dem kleinen Campingplatz. Seinem tragischen Ende ist ein Kapitel des Buches „Krieg und Frieden im Basterland“ gewidmet.

Grab des Polizeiwachtmeisters Rudolf Rogge nahe dem Campingplatz im privaten Naturreservat von BüllsPort Lodge & Farm im Naukluft-Gebirge. Foto: Sven-Eric Stender
Newsletter "Naukluft Mail"
Direkt aus der NAUkLuFT in Ihre Mailbox: Neuigkeiten, Infos und spannende Geschichten zu Gast- und Farmbetrieb von BüllsPort und zur Bergwelt der NAUkLuFT. Abonnieren Sie unseren Newsletter "Naukluft Mail", der dreimal im Jahr erscheint.
Falls Sie auch zwischendurch mal sehen wollen, was sich auf BüllsPort tut: