Stell dir vor, du drehst den Wasserhahn auf und es kommt nichts heraus. Kein Klempner kann dir helfen. Du brauchst ein neues Bohrloch. Alle Hoffnungen ruhen nun auf einem Wünschelrutengänger, der unterirdische Wasseradern „spürt“. – Schüler und Lehrer der Nabasib-Grundschule brauchen sich das nicht vorstellen. Sie haben das erlebt.

Mit Hilfe von BüllsPort Lodge & Farm, der Naukluft Foundation und dem Rotary Club Büdingen bei Frankfurt. Denn die Nagel-mit-Kopf-Lösung erforderte Wissen und Erfahrung, eine gute Planung und ein entsprechendes Budget. Alles weit jenseits der Möglichkeiten einer staatlichen Grundschule auf dem Land.

Naukluft Foundation hilft Nabasib seit 2005

Aber zurück zum Problem im November 2020: Kein Wasser, die Pumpe will nicht mehr. Was tun? Der amtierende Leiter der Grundschule Nabasib, Matthew Nguluve, greift zum Telefon. BüllsPort, knapp 15 km entfernt, unterstützt seine Schule seit Jahrzehnten. Mit Rat und Tat. Und auch finanziell, durch die Naukluft Foundation, die BüllsPort mit der Gästefarm Ababis im April 2005 gegründet hat.

Eigentümer Ernst Sauber ist mit Leib und Seele Farmer und hat mehr als 40 Jahre Erfahrung. Als er das Bohrloch auf Nabasib inspiziert, bestätigt sich sein Verdacht: Wie überall in der Umgebung hat sich der Grundwasserspiegel hier gesenkt. Kein Wunder. Seit Jahren herrscht Dürre.

Nabasib geht vorzeitig in die Ferien

Die Pumpe hat Luft gezogen und sich immer wieder abgeschaltet, um nicht zu überhitzen. Doch die Schule braucht Wasser. So wurde die Pumpe immer wieder angeschaltet. Schließlich ist sie ausgebrannt.

Zum Glück ist es Mitte November. Ende des Monats beginnen die Sommerferien. So kann Schulleiter Nguluve die Schule und das Schülerheim schließen, nur ein paar Tage früher als eh vorgesehen.

Größere Pumpe hilft nicht bei nächster Dürre

Indessen beschafft Ernst Sauber eine neue Pumpe und lässt sie installieren, ein paar Meter tiefer als die Pumpe zuvor. Ihre Leistung ist etwas geringer. Eine Übergangslösung. Schule, Schülerheim und Lehrerunterkünfte müssen den Verbrauch einschränken, bis die Regierung eine stärkere Pumpe liefert.

Das geschieht ein halbes Jahr später. Inzwischen haben ergiebige Regenfälle dafür gesorgt, dass der Grundwasserspiegel wieder gestiegen ist. Die kleine Pumpe nimmt Ernst Sauber zu sich nach BüllsPort. Als Reserve. Die Kosten von insgesamt 32.000 Namibia Dollar (zurzeit 1.900 Euro; aktueller Wert in Euro; 1 Rand = 1 N$) für Pumpe und Installation trägt die Naukluft Foundation.

Wasser auch bei Klimawandel

Doch damit ist das Problem nicht wirklich gelöst. Denn Dürreperioden gibt es immer wieder. Im Zuge des Klimawandels dürften sie sich sogar noch verstärken. Man könnte das Bohrloch vertiefen. Aber das garantiert nicht mehr Wasserzufluss. Also muss ein neues, ergiebigeres Bohrloch geschlagen werden.

Aber wo? Diese Frage beantwortet Farmer Philip van Wyk von Farm Lichtenfelde östlich von Maltahöhe. Er ist erfahrener Wünschelruten-Gänger. Im November 2021 kommt er nach Nabasib. Mit den Enden eines gegabelten Plastikstrangs in beiden Händen, geht er kreuz und quer über die freie Fläche am Pumphaus.

Wünschelrute zeigt drei Wasseradern an

Philip van Wyk Wünschelrutengänger Grundschule Nabasib Naukluft

Farmer Philip van Wyk hat beim Wünschelrutengehen eine Erfolgsquote von mehr als 80 Prozent. Foto (November 2021): Sven-Eric Stender

Bewegt sich die Gabelwurzel stark nach unten, zieht Philip van Wyk mit der Fußspitze einen Strich in den Sand. Keine zehn Minuten, und schon hat er drei Wasseradern ausgemacht. Die Fließrichtung zeigt ihm eine leere Cola-Flasche an, die auf seiner Handfläche steht und dann langsam kippt.

Der Punkt, an dem sich die Adern kreuzen, wird mit einem Autoreifen markiert. Auf 22 Meter Tiefe schätzt Philip van Wyk den Lauf der tiefsten Ader – und die Gesamtstärke des Bohrlochs auf 1.500 bis 2.000 Liter pro Stunde. Das würde reichen: Nabasib braucht 10.000 bis 15.000 Liter Wasser am Tag.

Van Wyks Einsatz kostet normalerweise 5.000 N$, die Anfahrt eingeschlossen. Der Schule Nabasib berechnet er nichts.

Aber liegt er richtig? Seine Erfolgsquote in mehr als 20 Jahren Wünscheln beträgt mehr als 80 Prozent, sagt er. Die Chancen stehen also 4:1.

Bohrtrupp auf Nabasib

Vier Monate später. Stunde der Wahrheit. Der Bohrtrupp rückt an, mit dem mächtigen Bohrgerät. Er entfernt den Autoreifen und positioniert an seiner Stelle den Bohrer. Mit Getöse setzt er sich in Bewegung. Staub wirbelt aus dem Bohrergehäuse, denn das Gestein wird mit Luftdruck zertrümmert.

Bohranlage Bohrloch Bohrung Grundschule Nabasib Naukluft

Bohranlage auf dem Gelände der Grundschule Nabasib. Foto: Ernst Sauber

In 11,5 Metern Tiefe stößt der Bohrer zum ersten Mal auf Wasser. Bei 13 Metern zum zweiten, bei 16,5 Metern zum dritten Mal. Volltreffer, dank Philip van Wyk! Ernst Sauber lässt weiterbohren. Denn das Gestein hat sich geändert: Gute Chance, dass vielleicht noch eine wasserführende Schicht folgt.

Nabasib erhält neues Bohrloch und Pumpenhaus

Bohrloch Bohrung Grundschule Nabasib Naukluft

Wasser! Erfolgreiche Bohrung auf Nabasib. Foto: Ernst Sauber

Außerdem ist ratsam, eine Rohrlänge, also drei Meter, tiefer zu bohren. Denn beim Start der Pumpe sackt der Wasserpegel im Bohrloch. Es dauert ein wenig, bis aus den Adern Wasser nachläuft.

Daher muss die Wassersäule oberhalb der Pumpe so hoch sein, dass die Pumpe kurz nach dem Start nicht Luft zieht. Auch unter der Pumpe sollte noch genügend Platz sein, damit sich Sand und andere Verunreinigungen ansammeln können, ohne die Ergiebigkeit des Bohrlochs zu beeinträchtigen.

Bei einer Tiefe von 31 Metern stoppt Ernst Sauber die Bohrung. Nun muss das Bohrloch mit einer speziellen Kunststoffverschalung ausgestattet werden. Das Rohr schützt vor nachrutschendem Erdreich und vordringenden Wurzeln.

Bohrloch Bohrung Bodenproben Grundschule Nabasib Naukluft

Bodenproben bei der Bohrung auf dem Gelände der Grundschule Nabasib zeigen wechselnde Gesteinsschichten. Foto: Ernst Sauber

Dann wird die Pumpe aus dem bisherigen Bohrloch im neuen Brunnen installiert. Und schließlich muss ein neues Pumpenhaus errichtet werden.

Rotary Club Büdingen trägt alle Kosten

Die Gesamtkosten betragen rund 84.000 Namibia Dollar (zurzeit 5.000 Euro; aktueller Wert in Euro; 1 Rand = 1 N$). 32.000 Namibia Dollar für die kleine Pumpe und ihre Installation, 36.000 Namibia Dollar für Bohrung und Verschalung, 16.000 Namibia Dollar für Installation und Pumpenhaus.

Die gesamte Summe hat der Rotary Club Büdingen für dieses Projekt gesammelt und über die Naukluft Foundation bereitgestellt. Seine Unterstützung für das ferne Nabasib ist umso höher zu schätzen, als auch direkt vor der eigenen Tür in Deutschland nach der Hochwasser-Katastrophe dringend Hilfe benötigt wurde.

Langjähriger Partner der Naukluft Foundation

Der Rotary Club half zudem bereits des öfteren – beim Aufbau des Kindergartens, bei Renovierungen und Reparaturen, bei der Anschaffung von Möbeln. Der Gesamtwert der Unterstützung summiert sich mittlerweile auf etwa 240.000 Namibia Dollar (zurzeit knapp 14.300 Euro; aktueller Wert in Euro; 1 Rand = 1 N$).

Die jahrzehntelange Partnerschaft zwischen Naukluft Foundation und Rotary Club Büdingen geht auf Georg Erk zurück. Früher Präsident und Schatzmeister des Clubs, ist er nun einfaches Mitglied, aber zugleich Vorsitzender des Ausschusses fürs südliche Afrika bei den Rotariern in Deutschland. Seit mehr als 30 Jahren ist er regelmäßig in Namibia zu Gast.

Nabasib hilft sich auch selbst

Übrigens legt die Grundschule Nabasib keineswegs die Hände in den Schoß und verlässt sich auf die Hilfe anderer. Um neben knapp bemessenen staatlichen Mitteln zusätzliche Einnahmen zu erzielen, organisieren der amtierende Schulleiter Matthew Nguluve und sein Team ab und zu Benefiz-Veranstaltungen.

Der Lehrer Augustinus Ortmann leitet zudem eine Schülergruppe, die traditionelle Lieder und Tänze der Nama aufführt. Besucher können sie im Rahmen einer spannenden Führung durch Schule und Schülerheim erleben – gegen eine Spende. BüllsPort unterstützt diese Initiative nach Kräften, auch indem es Gästen dieses Erlebnis empfiehlt.

Eine Foto-Story zur erfolgreichen Bohrung nach Wasser für die Grundschule Nabasib finden Sie in unserem Post auf Facebook.

 

Bohrloch Philip van Wyk Wünschelrutengänger Ernst Sauber BüllsPort Georg Erk Rotary Club Büdingen Matthew Nguluve Grundschule Nabasib Naukluft

Voller Hoffnung auf ein ergiebiges Bohrloch (sitzend, l.n.r.): Philip van Wyk (Farmer und Wünschelrutengänger), Ernst Sauber (BüllsPort, Naukluft Foundation), Georg Erk (Rotary Club Büdingen, Deutschland), Matthew Nguluve (Nabasib Primary School), umringt von Lehrern und Schülern der Grundschule. Foto (November 2021): Sven-Eric Stender

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